Dresdner Citylauf

am 22. April 2026
(oder Das Problem mit dem Alter)

Es gibt Läufer, denen ist bei Volksläufen die Zielzeit völlig schnuppe. Nach dem Motto „Hauptsache ankommen“ haben die den reinen Spaß während des Laufs selber. Ich hingegen muss zugeben, dass ein Teil meines Spaßes erst hinter der Ziellinie kommt. Und das auch nur dann, wenn die erreichte Zielzeit einigermaßen akzeptabel für mich ist.

Doch genau hier liegt das Problem. Von Jahr zu Jahr muss man sich da mit schlechteren Zeiten zufriedengeben. Der Körper gibt einfach nicht mehr das her, was früher mal drin war. Da schwingt in meinem Alter schon eine Portion Frust mit.
War man eben an der Ziellinie noch einigermaßen zufrieden, kann sich diese Freude sehr schnell ändern, wenn man sich dann die erreichten Zeiten vergangener Jahre anguckt.

Was hilft dagegen? Naja, einfach nie in den alten Unterlagen nachgucken. Dumm nur, dass man ausgerechnet die guten Ergebnisse noch im Kopf hat. Die wahre Lösung ist das also auch nicht. Besser ist, man akzeptiert es, wie es ist. Ein Bekannter aus meinem Sport-Umfeld sagt: „Die alten, früher erreichten Zeiten sind in Stein gemeißelt. Die kann mir keiner mehr nehmen.“ Das ist, so finde ich, ein toller und trostspendender Spruch, an den ich mich halten werde.

Es gibt einen Weltverband der älteren Leichtathleten (World Masters Athletics – WMA). So einen schönen Spruch haben die nicht auf Lager, aber die haben sich was anderes einfallen lassen:
Schon der Begriff „Masters“ klingt viel besser als „die Alten“.
Dazu haben sie sich vor etwa 50 Jahren die Altersklassen ausgedacht. 1) Damit muss man sich einfach nicht mehr mit den jüngeren Sportlern vergleichen, also auch nicht mit sich selber in vergangenen Zeiten, sondern man kann sich mit Athleten ähnlichen Alters messen.

Genial, damit darf man jetzt als älterer Sportler genauso stolz auf seine Leistung sein, wie der junge Windhund, mit dem man eben nicht mehr so richtig mithalten kann.

Ganz nebenbei hat die die WMA auch noch für die Gleichberechtigung gesorgt, indem sie klargestellt hat, dass Frauen, auch wenn biologisch begründet etwas langsamer, genauso gut sind. Also männliche und weibliche Altersklassen.

Und weil die Idee mit den Altersklassen so genial war, hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) das übernommen und wendet es aller Ortens in seiner Leichtathletikordnung an. 2)

Das heißt, jenseits der 30 Jahre rückt man alle 5 Jahre in eine neue Altersklasse auf. Nun ja, das fand ich dieses Jahr auch nicht ganz einfach zu akzeptieren, denn M65 klingt schon etwas alt. Aber es eröffnet Chancen.
Diese habe ich beim Dresdner Citylauf genutzt und mit knapp 45 Minuten über die 10 Kilometer die Altersklasse gewonnen. Das macht stolz, auch wenn da junge Windhunde noch 10 oder gar 15 Minuten schneller waren.

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Für die, die ihre Leistung noch genauer einordnen wollen, haben sich Sportwissenschaftler Gedanken gemacht, wie viel eine Zeit gemessen an Alter und Geschlecht Wert ist. Dazu kann man in ein Online-Formular sein Alter, das Geschlecht, die Streckenlänge und die Zielzeit eingeben, und erhält eine Prozentzahl, die besagt, wieviel Prozent gemessen am Möglichen man geschafft hat. 3)

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1) Performance trends in age-group runners from 100 m to marathon-The World Championships from 1975 to 2015 – PubMed

2) Deutsche Leichtathletik-Ordnung

3) MLDR Road age-grading calculator